Um 11:00 downtown geschlendert, der Anziehungskraft des Internet-Cafes widerstanden, selbiges links liegen gelassen, um nach Tagen der Kooperation mit der Fallschirmspringer-Meute endlich unter einheimische Menschen zu kommen. In einer arabischen Teestube meinen ersten „tee du menthe“ getrunken: süß und sehr stark. Nahrungsersatz für herumstreunende Männer, für hiesige, wie auch für mich. Ali, den Zahnluckerten kennengelernt. Gehört zu den erstaunlich vielen, die sich via Touristen passable Fremdsprachenkenntnisse angeeignet haben. In seinem Falle Deutsch. Bot wie so viele, seine Dienste an. Führungen, Einkaufshilfe, aber auch original tunesische Küche bei sich zu Hause für die ganze Hoteltruppe: Kuskus mit Kamelfleisch für 10 Dinar pro Person. Der Typ ist o.k., jedenfalls nicht aufdringlich.

Ein älterer Mann, der einfach auch gerne ohne Stress in der Teestube abhängt. Ich habe beschlossen, ab und an seine Dienste in Anspruch zu nehmen. Wenn man kein Arabisch kann und Französisch nur radebricht, dann braucht man einen Counterpart. Habe mich mit ihm für 14:00 verabredet. Inzwischen sah ich mir zwecks Orientierung die Innenstadt an. Ich suchte vergeblich nach einem „plan de ville“, habe den örtlichen „Suq“, einen eher tristen Wochenmarkt besucht und bin schließlich in einer Garküche in einer Nebenstraße gelandet. Dort habe ich erfahren, was der Normalbürger im Alltag ißt, nämlich „keftesch“, einen kleinen Teller mit mehreren Gemüsen, Salaten, einem Spiegelei und Hasrissa. Schmeckt köstlich, kostet 1 Dinar, Brot so viel man mag inbegriffen.

Als Gast der Garküche habe ich Feisal kennengelernt, der – wie könnte es anders sein, gleichfalls von Touristen lebt. Modell: halbwegs gut aussehender machoider Typ, der was von einer bevorstehenden Hochzeit mit einer Österreicherin schwafelt, mich in seinen Shop mitnimmt, obwohl ihm klar ist, dass ich nix kaufen werde. Ich denke, er wollte sich wirklich vorwiegend unterhalten, etwas politisieren, sein Deutsch weiterentwickeln. Wir sprechen einen seltsamen deutsch-französischen Kauderwelsch, der uns aber beiden etwas bringt, weil wir beide neue Vokabel lernen. Um 14:00 treffe ich Ali wieder.

In gut orientalischer Manier habe ich mich 15 Minuten verspätet. Ich lasse mir die Palmenhaine in der Oase zeigen. Sieht aus wie eine riesige Parklandschaft, ist aber klassisches cash crop-Areal: Plantagen mit Dattelpalmen, Bananenstauden, Feigenbäumen, Granatapfelbäumen, etc. Dazwischen mitunter Gemüseanbau. Vereinzelt Holzbaracken, in denen Landarbeiter und Wächter hausen. Nicht jetzt, weil jetzt ist Winter und nix zu holen. Aber vermutlich in der Saison, wenn die Arbeiten anstehen und die Bäume Früchte tragen. Erfahre, dass es einige Großgrundbesitzer gibt, denen jeweils hundertausende Palmen gehören und die im internationalen Großhandel tätig sind.

Daneben gibt es viele alteingesessene Familien, die kleinere Plantagen ihr eigen nennen. Befrage Ali auch über die Marabuts und beschließe, mir von ihm demnächst mal die ganzen Heiligen-Gräber Touzeurs zeigen zu lassen. Auf unserem Rundgang zeigt mit Ali schließlich noch die „wirkliche“ Altstadt, einen sehr gepflegten Stadtteil mit sehr schöner Lehmziegelarchitekur orientalischer Schönheit. In den heißen Sommertagen ist es hier sicherlich sehr sehr angenehm. Wir werfen kurz einen Blick in ein von außen als solches kaum erkennbares Gebetshaus. Ich will dort nicht stören und wir ziehen weiter.

Morgen, so haben wir vereinbart, sucht er mit mir einen Schneider auf und ich werde versuchen, mir eine Hose schneidern zu lassen. Ansonsten habe ich noch erfahren, dass man für ca. 300 Dinar pro Monat ein Haus mieten kann und sollte Andrea kommendes Jahr hier springen wollen, so würde ich gerne ein Haus und ein Auto mieten, was zusammen vermutlich immer noch billiger kommt, als diese extraterrestrischen Hotelanlagen, die ich wirklich nicht ausstehen kann und auf die ich mich nur wegen Andreas Ausbildung und der dazugehörigen Reportage eingelassen habe.

Zuallerletzt weiß ich jetzt auch noch, dass es unweit unseres Hotels Thermalquellen mit einem Teich geben soll, das „Belvedere“, in dem Tunesier und Touristen gleichermaßen schwimmen. Ich denke, dass ich mir das morgen auch mal anschauen werde. Heute jedenfalls habe ich mir ein Loch in den Socken gelatscht und Whisky & Datteln während des Tagebucheintrags redlich verdient. Alsdann, auf Wiedersehen bei den heißen Quellen!