20.12.2006: Wien, Ringstraße, Kreuzung Schottengasse. Demo gegen Studiengebühren. Zu Recht. Bildung in öffentlichen Einrichtungen sollte kostenlos sein. Besser 2 Jahre an der Uni verplempert und deren Geist erlebt als nur davon gehört zu haben. Auf die Nachkommen und die Gesellschaft wird sich das positiv auswirken. Soviel zum Anlaß der Demo.

Nun zur Durchführung: Gut ein Dutzend erfrischend von ihrem Tun überzeugte junge Menschen sperren den Ring. Mit einem über die gesamte Straßenbreite reichenden Stofftransparent. Vorneweg eine nette Frontfrau mit Sprechtüte. Keine dynamische Sprachagitation, sondern biederes Ablesen eines Manifestes.

Die ersten drei Reihen der zur Zwangspause vergatterten Autofahrer verhalten sich ruhig, vermutlich weil sie aufgrund ihrer privilegierten Zuschauerplätze den Zweck der Demo erkennen (können). Dahinter bildet sich ein veritabler Stau. Erst vereinzeltes Gehupe. Dann schallt dem Megaphon ein akustisch immer vielseitiger und fulminanter werdendes Hupkonzert entgegen. Zu beiden Seiten der Straße Fußgänger, die diese unerwartete theatrale Inszenierung scheints als willkommene Abwechslung wahrnehmen.

Auf der Strecke bleibt lediglich der Inhalt. Ab der vierten Autoreihe hat man schon vor dem Hupkonzert kaum etwas verstanden und währenddessen erst recht nicht. Meinungsbildung gab es bis auf die Minderheit der ersten drei Reihen nur negative. Deshalb, liebe Aktivisten: Demo ist gut, Kommunikation ist besser. Wenn sich in drei Fahrspuren etwa 100 – 150 Reihen bilden, dann kommt der Inhalt auf diese Art bei mehr als 291 – 441 Autos und deren Insassen nicht an. Wie wäre es mit einigen kommunikatinsstarken Aktivisten, die mit den Leuten bis hin zur letzten Reihe reden? Die das Anliegen vermitteln? Oder ist die Aktion nur Selbstzweck für das eigene Ego?

Nach ca. 10-15 Minuten schließlich kommt unser Freund und Helfer, die hierzulande mehr oder minder wohlmeinend „Kiewarei“ genannte Polizei. Einer von ihnen nimmt das äußerste Mädel der Transparentkette an der Hand und zieht mit ihr wie der Rattenfänger von Hamen die ganze Gruppe von der Straße. Die Demotruppe vertschüßt sich flugs und der freundliche „Herr Inspektor“ (den es ja angeblich nicht gibt) steigt zu seinem Kollegen ins Auto und fährt weiter. Einfach so. Ohne weitere Amtshandlung. Respekt.

Resumee:

1. Es gibt noch engagierte junge Menschen, die an das was sie tun glauben und sich gesellschaftlich exponieren. Das tut gut und läßt hoffen.

2. Alles kann man besser machen. Auch demonstrieren.

3. Die Polizei ist mitunter besser als ihr Ruf. Ihre Ausbildung ist es schon länger, aber menschliche Souveränität und Persönlichkeit kann man halt nicht auf der Schulbank lernen.