274m Seehöhe, Blick über ganz Wien, aus dem höchst gelegenen Schwimmbad der Stadt. Wolkenverhangener Himmel. Atmosphäre hell und freundlich, gar nicht bedrohlich. Die Wolken signalisieren, dass sie schwanger gehen. Regenschwangere, doch freundliche Wolken. Frühphase. Ausreichend, dass sich potentielle Badegäste verweigern. Die Arbeiter im Bad in Siesta-Laune. Die Wolken signalisieren ein baldiges Arbeitsende. Leise summen sie Hans Mosers “Sperrstund is” …

Doch dann. 5000 Hektoliter sauberes, blitzblaues Wasser. Nur für mich alleine. Spiegelglatte Wasseroberfläche. Ein großes Bett. Frisch bezogen. Eintauchen und sich räkeln. Es ist frisch, aber nicht unangenehm kalt. Es macht Freude, sich darin zu bewegen. Harmonie der Bewegung und Einklang zwischen den Elementen zu suchen.

Nach vier-, fünfhundert Metern wird das Unglaubliche für wenige Minuten wahr. Die Wolkendecke öffnet sich zögerlich. Ein kleines Stück. Sonnenstrahlen wittern eine Chance. Rückenschwimmend erblinzle ich mir die Geometrie dieses Lichts. Erahne darin Ikarus. Fürchte um ihn, denn bald werden ihn die Wolken verschlingen. Doch vorerst: Wonne pur.

Während des Duschens gleitet der Blick über die Stadt. Schön ist sie. Auch ohne Postkartenwetter. Vor allem von hier oben. Wenn man das Privileg hat, am helllichten Tag die Niederungen des Alltags dort unten für kurze, aber erfüllende Augenblicke hintanzustellen. Kraft auftanken. Achtung Welt, ich komme.