Du hast keine Chance, aber nutze sie. (Achternbusch)

Kategorie: Wien (Seite 1 von 3)

Die Strottern & die Riemergasse Nr. 11

Tradition ist ein Tummelplatz für Interpreten. Kulturelle Verniedlicher sind da genauso am Werk wie politische Instrumentalisierer. Will man diese weich gezeichnete Wirklichkeit sinnlich und hirnlich hinterfragen, dann lohnt ein Besuch der Strottern allemal. Diesmal in künstlerisch überzeugendem Zusammenspiel mit der JazzWerkstatt Wien. Politisch engagiert (etwa mit Antikriegsliedern von Soldaten aus dem Krieg)  und poetisch allemal (u.a. mit der Vertonung der Wiener Lyrik eines Peter Ahorner). Sanft begonnen und zum Furiosum gesteigert. Ein klasse Abend im Porgy & Bess

Dieser Veranstaltungsort entlockt mir immer ein breites Grinsen. War hier in der Riemergasse Nr. 11 doch einst das legendäre „Rondell„, das „Erste Wiener Raucherkino“. Dass man dort rauchen konnte, war in jener Zeit, in der auch die Club-2-Diskutanten im ORF noch rauchten, nichts Besonderes. Das Außergewöhnliche war, neben der Kaffeehaus-Bestuhlung, die Bedienung: die Damen kamen „oben ohne„. Da habe ich mich als pubertierender Jüngling mit gefälschtem Schülerausweis und allen zusammen gekratzten Schillingen hinein geschummelt, einen Gin Tonic bestellt und ich habe mich wirklich sich sehr, sehr erwachsen gefühlt.

Literarische Weihnachtstrauma-Therapie

Die Szene Margareten lud ins Perchtenstüberl. Zur Weihnachtsfeier der anderen Art. Die Art war Kunst und mitunter unartig.  Thema, no na ….

Lesung im Perchtenstüberl in Wien Margareten.

Die literarischen Perchten waren teils schön, teils schiach, es gab aber auch die außerirdischen der Andrea Sturm, die sich ihren eigenen kulturellen Reim auf das menschliche Weihnachtsgeschehen machten. Eines war aber allen gemeinsam. Sie waren großartig gearbeitet, von den Künstlern gekonnt performiert und sie wurden von den Gästen mit Wonne & Schauern rezipiert.

Fenster mit Aussicht …

… auf eine geschmackvolle Zukunft:

Fenster mit kulinarischer Aussicht

Die Gemüselagerung im Isolierkasten eines Wiener Rahmenpfosten-Kastenfensters bedeutet eine stete visuelle kulinarische Inspirationsquelle sowie Herausforderung. Auch bezüglich drohenden Wetterwechsels.

Apropos Herausforderung: Meine iranischen Freunde müssen ab jetzt ein Neues Jahr meistern.
Mubarak-e Nowruz !

 

Reflexionsobjekt am Totenacker

Im 5. Hieb geboren, aufgewachsen und ansässig. Aber noch nie am evangelischen Friedhof Matzleinsdorf gewesen. Bis heute. Und dort eine erstaunlich philosophisch konzipierte Grabstätte bzw. Installation entdeckt:

Grab/Installation am evangelischen Friedhof Matzleinsdorf

Grab/Installation am evangelischen Friedhof Matzleinsdorf

Ein artifizeller Holzschuppen, mit getrennten Bereichen für Aststücke & Holzscheite sowie Zapfen & Pockerln. Sauber sortiert, wie die Menschen, die rundum begraben sind. Die selber nur Naturartefakte waren und wie diese entsprechend gestutzt, geformt und säuberlich verbracht worden sind. In einem mehr oder weniger willkürlichen Akt kultureller Normierung.

Davor bzw. in der Mitte der Grundfläche wurde ein Bäumchen gepflanzt und als Grenz-Marker dienen zwei auf Steinfundamente gesetzte kurze Baumstammstücke. Auch hier die Gegenüberstellung von künstlichem Schaffen und natürlichem Werden. Wäre ich Deutschlehrer würde ich dieses Motiv an die Wand knallen, die Jugend drüber schreiben lassen und gespannt auf die Interpretationen warten.

Sylvesterleuchten

Eine grafisch wertvolle Multimedia-Inszenierung bei der Endstation der U2 in Seestadt Aspern bot den Rahmen für einen künstlerisch inspirierten Jahreswechsel.

Laser-Installation am Sylvesterpfad in Seestadt-Aspern

Laser-Installation am Sylvesterpfad in Seestadt-Aspern

Das Ambiente war toll, an der Eventorganisation darf noch gearbeitet werden. Ein DJ macht halt noch keinen Sylvester. Die meisten Besucher konnten mangels Begleitprogramm nicht gehalten werden und waren gegen Mitternacht bereits in alle Winde zerstreut.

Familienzuwachs: Fidel

Gestern Abend passierte es. Wie er da saß, ungebrochen inmitten all des Elends, da war die Seelenverwandtschaft offenkundig und mein Herz weit auf. Asyl, zweite Chance, Adoption rief es in mir.

Die unwürdigen Vorbesitzer wurden flugs mit etwas schnödem Mammon abgepeist. Am Heimweg galt es den Sieg der Gefühle zu feiern. Der Rüdigerhof kam da gerade recht.

Dort tagte der Familienrat in Sondersitzung. Er kam schnell überein, dass jemand, der inmitten von ausdrucksstark gelebter Armut so viel Würde und Zuversicht ausstrahlt nur einen Namen haben kann: Fidel.

Danach wurde die neue Bande in einem traditionellen Trinkritual gefestigt.

Die euphorische Stimmung erhielt am Rückweg allerdings einen kurzen Dämpfer. Mein Groll war groß und bedrohlich.

Todtraurige Welten

Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der Stadt sind oft todtraurig. Man blickt in so viele Gesichter. Und in die meisten hat das Leben üppige Zeichen der Enttäuschungen und des Grams gemalt. Künstlerisch mitunter wertvoll. Menschlich häufig deprimierend.
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